SIE HOLT ACTS INS KULA: BEHIND-THE-SCENES MIT JOHANNA HOMBURGER
KONSTANZ BRAUCHT KULTUR – DER KULA LIEFERT
Ob Konzert, Theaterabend oder Soulsession: Der Kulturladen (KULA) ist Hotspot für alle, die Musik, Kabarett & mehr live und hautnah erleben wollen. Geschäftsführerin und Bookerin Johanna Homburger spricht über besondere Konzertmomente, die Bedeutung von Kultur für die Gesellschaft und die Herausforderungen der Szene. Und natürlich verrät sie, welche Events demnächst unbedingt auf eurem Kalender stehen sollten.
Für alle, die den KULA nicht kennen – wie würden Sie den Kulturladen beschreiben?
„Der KULA ist ein soziokulturelles Zentrum mit Schwerpunkt auf Livemusik. Unser breites Programm umfasst von Konzerten über Poetry Slams bis hin zu Theater, Lesungen und Partys Events für jedes Alter – von drei bis Ende ist für alle was dabei. Darum treffen hier oft verschiedene Generationen aufeinander. Neben unserem eigenen Programm kooperieren wir mit verschiedenen Einrichtungen, Veranstalter:innen und Kollektiven.“
Sie veranstalten jährlich rund 100 Events. Was begeistert Sie besonders daran, Kulturformate zu organisieren?
„Wir alle brauchen manchmal Abstand vom Alltag. Bei uns kann man den privaten Rucksack am Einlass abgeben, den Kopf freibekommen, sich frisch inspirieren lassen und neue Verbindungen eingehen. Mir ist immer wichtig zu betonen, dass die Kulturszene bedeutsam für die mentale Gesundheit der Gesellschaft ist. Zudem treffen bei Veranstaltungen viele verschiedene Menschen aufeinander und teilen sich Raum und Erlebnis – das sind wichtige, demokratisierende Momente.“
Erinnern Sie sich an ein Konzert im KULA, das für Sie persönlich ein absolutes Highlight war?
„Hier muss ich zwei nennen. Als Veranstalterin hat es mich riesig gefreut, dass Zartmann im Frühjahr 2025 seinen Tourabschluss bei uns gefeiert hat. Als Veranstalterin und Fan hat mich ein Konzert von IKAN HYU 2024 sehr begeistert – das Schweizer Duo halte ich für eine der besten Live-Bands. Ein Konzertbesuch sei sehr empfohlen!“
Welche Rolle spielt die lokale Musikszene im Programm – um z. B. auch Newcomern von hier eine Bühne zu geben?
„Uns ist die lokale Szene wichtig und es ist schön zu sehen, dass unsere Region spannende und vielfältige Acts zu bieten hat – nicht nur im Livemusik-Bereich, es gibt auch fantastische DJs. Bei unserem jährlichen Open See Festival werden 4 Slots an Newcomer Acts mittels eines Contests vergeben. Außerdem ermöglichen wir Support Slots, haben schon Album-Releases sowie technische Proben abseits von Auftritten begleitet.
Aufgrund der aktuell finanziell angespannten Lage, in der sich die gesamte Kultur- und Veranstaltungsbranche befindet, können wir leider nicht so viel machen, wie wir gerne würden. Aber wir arbeiten daran, dass es wieder mehr Möglichkeiten gibt – und freuen uns, dass der Konstanzer Gemeinderat dem „POPBÜRO“ (angesiedelt im Kulturamt) zugestimmt hat. Hier reiht man sich in einen landesweiten Fahrplan ein, da sich Baden-Württemberg die aktive Förderung der Popularmusik durch das Projekt „POPLÄND“ auf die Fahne geschrieben hat. Auch wenn das noch in den Kinderschuhen steckt, sehe ich hier eine wichtige Anlaufstelle, um den Bereich in der Region voranzubringen und Synergien zu schaffen.“
Von Jazz über Indie bis Hip-Hop: Wie wählen Sie die Künstler:innen aus, die im KULA auftreten?
„Das ist eine Mischung aus Bauchgefühl, Kalkulation, Teamentscheidung, Neugier und Überzeugung. Wir sind eine kleine Stadt mit begrenztem Einzugsgebiet. Deshalb ist es umso wichtiger, ein möglichst breites Programm anzubieten: verschiedene Zielgruppen, verschiedene Geschmäcker. Manches müssen wir schlicht ausprobieren – im besten Fall geht das auf oder scheitert eben auch mal.“
Welche kommenden Acts oder welches Event sollte man sich unbedingt vormerken?
„Das gesamte Programm ist natürlich sehens- und hörenswert. Hervorheben könnte man die Soulsessions Anfang Oktober – hier treffen regionale auf nationale Künstler:innen. Im Dezember wird uns Pöbel MC einheizen sowie auch das Schweizer Inklusionsprojekt Boxitos, das uns bereits bei einer Open See Ausgabe so begeistert hat, dass wir einen Soloabend ermöglichen. 2026 kann man sich dann unter anderem auf die Berliner Punkband 24/7 Diva Heaven, den Rapper Megaloh oder Max Mutzke mit dem Matti Klein Soul Trio freuen oder mit der Folkband Cara den St. Patrick’s Day feiern.“
Wie hat sich das Publikum und die Szene in den letzten Jahren verändert?
„Der Kartenvorverkauf ist immer auch Kompass für die Planung: Wie viel Personal benötigen wir, können wir die Veranstaltung überhaupt durchführen oder müssen wir absagen? Der Trend ist recht deutlich: Gäste planen immer kurzfristiger, was für uns ein hohes Risiko mit sich bringt. Weiter bemerken wir, dass vielen nicht mehr die finanziellen Mittel zur Verfügung stehen und ein Konzertticket eben erst nach Miete und Verpflegung kommt. Das führt dazu, dass – wenn schon Geld für Tickets ausgegeben wird – es eher bekannteren Acts zugutekommt. Sich einfach mal überraschen lassen, ist seltener geworden. Sehr zum Nachteil für Newcomer und die, die sich außerhalb des gefälligen Geschmacks befinden. Weiter hat sich das Ausgehverhalten allgemein verändert: Vor ein paar Jahren waren Partyveranstaltungen ein Garant für einen vollen Saal und gute Barumsätze, jetzt sind auch diese Termine Wackelpartien. Aber so wie es jetzt ist, wird es nicht bleiben – in irgendeine Richtung wird es sich weiterentwickeln und wir sind gespannt, wohin uns das führt.“
Wie wichtig sind Kooperationen mit anderen Locations und Special-Events wie z. B. das „Open See“?
„Das Vernetzen mit anderen Locations, Einrichtungen und Veranstalter:innen in der Stadt ist wichtig. Letztlich haben wir alle dasselbe Ziel, auch wenn unsere Anforderungen und Wege dorthin vielleicht unterschiedlich sind. Ich halte nicht viel von Konkurrenzdenken, Missgunst oder Abschottung. Egal, wer über welchen Weg den Zugang zu Kultur findet, soll diesen gehen – und im besten Fall, lernt er oder sie uns alle kennen. Wenn wir das zusammen erreichen können: umso besser.
Sonderereignisse wie das Open See Festival bringen uns als Kulturladen natürlich Sichtbarkeit. Wir gehen dorthin, wo wir sonst nicht stattfinden – nämlich auf die andere Rheinseite. Da es sich um ein „umsonst & draußen“ handelt und der Stadtgarten eine frei zugängliche Fläche ist, ist die Teilhabe wirklich allen ermöglicht. Auch hier denke ich, dass das für die Stadtgesellschaft wichtig ist und einen positiven Effekt hat. Auch fürs KULA-Team ist es eine besondere und spannende Herausforderung – nicht, dass uns noch langweilig wird.“
Seit wann leben bzw. arbeiten Sie in Konstanz – und was schätzen Sie besonders an der Stadt?
„Ich bin gebürtige Konstanzerin. Nach 15 Jahren Pause bin ich seit Herbst 2023 wieder zurück und arbeite seither im KULA. Die Stadt ist mein absoluter Wohlfühlort – ich kann gar nicht genau beschreiben, wieso eigentlich. Vielleicht ist es die Mischung aus jung und sehr alt, umtriebig und gemütlich, Weitsicht und Historie. Einige Konstanzer Frichtle können das wahrscheinlich nachvollziehen.“
Wo genießen Sie selbst am liebsten Livemusik in Konstanz oder der Region, wenn Sie gerade nicht im KULA sind?
„Ob Campus Festival, K9, Contrast, Zimmerbühne oder auch mal in einer kleinen, privaten Galerie: In Konstanz passiert schon einiges. Unsere Region hat viele Kulturorte zu bieten und auch der Gang in die Schweizer Nachbarschaft lohnt sich – ich wünschte, meine Zeit gäbe mehr Erkundungstouren her.“
Wie sieht Ihr perfekter Herbsttag in Konstanz aus?
„Auf jeden Fall mit einem Innehalten auf einer Brücke und die Aussicht genießen.“
Welche Entwicklung wünschen Sie sich für die Musik- und Kulturszene in Konstanz in den kommenden Jahren?
„Vor allem wünsche ich mir, dass in der Gesellschaft und der Kommune (und natürlich darüber hinaus) nicht vergessen wird, was wir als Kulturszene für wichtige Angebote bieten. Man sollte nicht unterschätzen, wie viel Energie der Besuch einer Punkrockshow freisetzt, was man bei der Nachbesprechung einer Theatervorstellung lernen oder wie sehr stundenlanges Durchtanzen guttun kann. Wir sind die Orte, die den Standort Konstanz attraktiv machen – nur der See reicht nicht. Wir sind die Orte, wo Teilhabe, Annäherung und Gemeinschaft gelebt werden. Gerade in einer politisch nach rechts abdriftenden Zeit ist es ein fataler Fehler, an den kulturellen Ecken zu sparen. Ich wünsche uns, dass es uns alle in ein paar Jahren noch gibt, dass wir frei unser Programm bestimmen und somit viele Leute begeistern und bereichern können.“
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